meine Entdeckungsreise

Was ist eine Hexe?

Kaum ein anderer Begriff ist mit so vielen verschiedenen Assoziationen verbunden wie das Wort „Hexe“. Viele Menschen glauben, Hexen gibt es nur im Märchen, und sie haben schnell das Bild einer alten, buckligen Frau vor Augen, natürlich mit Warzen auf der Nase und einem schwarzen Kater. Andere denken sofort an Fernseh-Serien wie Sabrina oder Charmed und glauben Magie sei Hexerei wie bei Harry Potter und Bibi Blocksberg. Und einigen ruft das Wort Hexe dunkle Kapitel der europäischen Geschichte in Erinnerung, als im Mittelalter und in der frühen Neuzeit mehrere Tausend Frauen, Männer und Kinder der Hexenverfolgung durch die Kirche zum Opfer fielen. Und noch immer herrschen aus dieser Zeit Irrtümer und Vorurteile, z.B. das Hexen Tiere töten oder sich in schwarzen Messen mit dem Teufel vereinigen. Und nicht selten wird es als Schimpfwort verwendet, was sich beim näheren Hinsehen jedoch als ziemlich falscher Gebrauch erweist.

Vor dem Christentum war es selbstverständlich mit der Natur im Einklang zu leben und ihre Zeichen zu deuten. Einst waren Hexen als Heilerinnen und Hebammen hochgeachtete Frauen, Hexen und Druiden galten als die Weisen im Dorf und wurden bei großen und kleinen Problemen um Rat gefragt. Auch heute gibt es noch Hexen und Hexer, die sich an den alten Pfad orientieren, altes Wissen neu wiederentdecken und die Spiritualität alter Naturreligionen wieder mit Leben erwecken. Hexen sind Menschen, die sich wieder intensiv mit der Natur beschäftigen und es verstehen, mit ihr verbunden zu tun und mit ihren Energien magisch zu arbeiten. Viele beherrschen die Kräuterkunde, versuchen mit der Natur im Einklang zu leben und manche bieten heute ihre Dienste als Heiler, Traumdeuter oder Berater zum Beispiel im Internet an. Aber trotzdem löst das Wort Hexe auch heute noch bei Menschen Unbehagen oder Ängste aus – und in einigen Teilen der Welt gibt es bis heute religiöse Hexenverfolgungen, z.B. in Afrika.

Als heute magisch arbeitende Person das Wort Hexe für sich zu benutzen ist und bleibt damit ein Akt sowohl der Herausforderung als auch der Zurückeroberung über die eigentliche Deutungshoheit über den Begriff Hexe. Das kostet Mut und fordert einen auf, Begabung und Neigung, Fähigkeiten und Fertigkeiten sorgsam einzusetzen: Die Hexe oder der Hexer ist freier Mensch, der über das eigene Leben und die eigene Sexualität (siehe auch Sexualmagie) eigenverantwortlich und Kraft des freien Willens selbst bestimmt (siehe auch Feminismus). Eine Hexe achtet das Leben und engagiert sich für die Bewahrung der Natur.

Herleitung des Begriffs Hexe

Der Begriff Hexe stammt vom althochdeutschen Wort „Hagazussa“ ab und bedeutet soviel wie „in der Hecke sitzen“ oder „Heckensitzerin“. „Hag“ bedeutete Zaun, Hecke oder Gehege. Die Silbe findet sich auch in der Hagebutte wieder, der Frucht der Heckenrose. Eine Hecke war und ist noch heute eine Abtrennung zwischen zwei Grundstücken. Für die Bedeutung herrschen zwei Interpretationen vor:

  1. Eine „Heckensitzerin“ verlässt die Grenzen der gewohnten Umgebung, früher die ein Dorf schützend umgebene Hecke, um außerhalb einen geheimen Platz der Heilkräuter aufzusuchen. Eine Hexe fürchtet sich nicht vor den Naturgeistern, sondern ruft sie im Gegenteil herbei und bindet sie in ihre magische Arbeit im Ritual ein. Von jeher sind mit diesem Bild einer Kräuterfrau auch die Bedeutungen von Heilerin, Hebamme, (Hell-)Seherin sowie Orakel- oder Zaubersprechende verbunden. Da die Hecke früher wie heute die Funktion eines Zaunes erfüllt, wird oft auch von einer „Zaunreiterin“ gesprochen – manche Hexe bezeichnen sich heute auch als Zaunreiterin.
    „Eine Zaunreiterin ist eine Frau, die über den Tellerrand hinausschaut, jemand, der mit der Natur und ihren Wesen im Einklang lebt, diese versteht und ihre Botschaft an die Menschheit weitergibt“ (Isabeau).
  2. Ein Zaunreiterin oder Heckensitzerin wandelt zwischen den Welten, wenn sie die „Hecke“ durchschreitet. Im mittelalterlichen Volksglauben gab es die Vorstellung, dass auch im religiösen Sinne das „Diesseits“ vom „Jenseits“ durch eine Hecke getrennt sind. Man glaubte, dass das “höhere” Wissen aus dem Jenseits stamme: Wissen, das nicht jedem zuteil war wie z.B. das Wissen zu Heilen, das Wissen über den Lauf der Gestirne, das Wissen um die Heilkraft der Pflanzen, das Wissen um das Wetter usw. Da es in den Naturreligionen keine Schriftaufzeichnung gibt und im Mittelalter nur sehr wenige Anhänger aus Klerus und Adel der Schriftsprache mächtig waren, mussten die Hexen und Hexer auf eigenen Entdeckungen in der Natur und das mündlich überlieferte Wissen ihrer Vorgänger zurückgreifen (um so schlimmer, dass auf diese Weise durch die Zeit der Hexenverbrennung viel altes Wissen verloren gegangen ist).
    Als Mensch mit einer Verbindung zwischen „Diesseits“ und „Jenseits“ war die Hexe natürlich auch als Medium oder Mittler gefragt. Deshalb wird mit dem Hexentum auch die Ahnenbefragung, Geisterbeschwörung oder Vorhersagekunst in Verbindung gebracht – was heute im esoterischen Bereich z.B. durch Channeling oder dem Legen von Tarotkarten fortbesteht.

Neue und Moderne Hexen

„Wer die Hexenbewegung für etwas Neues hält, der hat noch ein bißchen nachzuholen.“ Der „alte Pfad“ als spiritueller Weg von Hexen und Heiden hat seinen Ursprung weit in den frühen Kulturen der Menschheit begründet. „In Zeiten, in denen das weibliche, schöpferische Element in Form der Göttin und das männliche, schöpferische Element in Form von Göttern verehrt wurde oder die Naturverehrung im schamanischen Weltbild vorherrschend war. Mit der Unterdrückung der weiblichen Wege (die griechische Mythologie belegt es eindrucksvoll) kam es zur Dämonisierung des unabhängig Weiblichen. Göttinnen, die weder vergewaltigt noch verheiratet werden konnten, erscheinen auf einmal als „dunkle“ um nicht zu sagen als negative Wesenheiten. Auch hier bewahrheitet sich die Erkenntnis, dass die Gottheiten der einen Religion zu den Dämonen der darauf folgenden gemacht werden, um einen neuen Glauben durchzusetzen.“ Damit ein Grundstein für die Hexenverbrennungen im Namen der Kirche gelegt, die natürlich auch machtpolitische Ziele verfolgte und der Kirche zahlreiche Besitztümer bescherrte. Denn Land und Besitz der in Hexenprozessen Verurteilten gingen in den Besitz der Kirche über. „Was an magische Kraft und natürliche Spiritualität erinnerte, sollte ausradiert werden. Natürlich gelingt so etwas niemals vollständig und die Magie nahm den Weg ins Geheimnisvolle, um weitergetragen zu werden. Es brauchte lange bis wieder an freie Hexen zu denken war. Es gab die Mysterienorden, die erste Grundsteine legten, wie z.B. den Golden Dawn. Später brachten die Hippies und die damit entstehenden politischen und ökologischen Bewegungen wichtige, neue Impulse und lösten den Bewußtseinswandel aus, der benötigt wurde, um sich natürliche, spirituelle Wege und die Freiheit der eigenen Erfahrung erst einmal vorzustellen und sie schließlich zu wählen. Neu sind die „neuen“ Hexen also keineswegs (Claire).

Moderne Hexen sind Menschen, die sich auf die historischen Hexen beziehen und sich mit den alten europäischen Religionen identifizieren. Die Dinge, die sie in den historischen Hexen sehen, versuchen in die heutige Zeit rüberzubringen und in ihr Leben einzubauen. Zu nennen ist hier vor allem die Wicca-Religion, die sich heute als neue Form einer animistischen Naturreligion der Hexen versteht (siehe Hexen und die Naturverbundenheit). Wicca hat seinen Ursprung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurde durch Gerald Brousseau Gardner als eine Glaubensrichtung des Neuheidentums gegründet. Auch wenn heute die meisten Hexen und Hexer einer der Wicca-Traditionen angehören, ist nicht jede Hexe eine Wicca oder überhaupt religiös. „Hexe sein ist für einige von uns eine Glaubensrichtung, für andere eine Lebenseinstellung, für wieder andere ein Mix aus beidem oder gar noch etwas anderes.“ (Jennifer). Es gibt auch Hexen, die magisch arbeiten und sich dennoch einer der großen Weltreligionen wie dem Christentum oder dem Islam verbunden fühlen (siehe Hexen und Religion).

Was ist eine Hexe heute?

Das Hexentum ist heute sehr vielschichtig und eine einfache Definition kaum möglich. „Hexe, Heide, Druide, Wicca, Esoteriker, Magier, Eklektiker, all diese Lebensausrichtungen – und noch viele mehr – sind Teile der hexischen Weltanschauung. Der individuelle Lebensweg einer jeden Hexe macht es quasi unmöglich, eine allgemeingültige Beschreibung des Hexentums zu entwerfen“ (Kathrin). Aber fast alle Hexen allerdings teilen eine Gemeinsamkeit: Ihr Bestreben, im Einklang mit der Natur zu leben.

Affirmation der Hexen

Eine Affirmation (lateinisch affirmatiō für „Versicherung, Beteuerung“) ist eine wertende Eigenschaft, die mit „Bejahung“, „Zustimmung“ oder „Zuordnung“ beschrieben werden kann (wiki). Der folgende Text ist ein im auf Hexenseiten im Internet verbreiteter „Wanderpokal“. Seine Ursprünge liegen, vom Hörensagen her, in der US-amerikanischen radikal-feministischen Spiritualität (engl. Version).

Eine Hexe ist eine mit Macht über ihr Leben.
Eine die ihre eigenen Regeln macht.
Eine, die keine Autorität höher schätzt als ihre eigene,
Eine die ihrem Selbst treu ist,
Eine die wild und nicht gezähmt ist,
Eine, die Energien verwandelt
Eine, die leidenschaftlich ihre Ideale und Werte vertritt, während diese sich ändern
Eine, deren innere Kräfte wie Vulkane, Fluten, Winde und Feuer sind,
Eine die unordentlich ist, die Chaos in sich trägt,
Eine, die ekstatisch ist
Eine, die die Wirklichkeit verändert
Eine, die dreimal laut sagt: „Ich bin eine Hexe!“

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