meine Entdeckungsreise

Hexen und Religion

Moderne Hexen sind Menschen, die sich auf die historischen Hexen beziehen und sich zum Teil auch mit den alten europäischen Religionen identifizieren. Zu nennen ist hier vor allem die Wicca-Religion, die sich heute als neue Form einer animistischen Naturreligion der Hexen versteht (siehe Hexen und die Naturverbundenheit). Auch wenn heute die meisten Hexen und Hexer einer der Wicca-Traditionen angehören, ist nicht jede Hexe eine Wicca oder überhaupt religiös. „Hexe sein ist für einige von uns eine Glaubensrichtung, für andere eine Lebenseinstellung, für wieder andere ein Mix aus beidem oder gar noch etwas anderes.“ (Jennifer). Es gibt auch Hexen, die magisch arbeiten und sich dennoch einer der großen Weltreligionen wie dem Christentum oder dem Islam verbunden fühlen (siehe Hexen und Religion).

 

Hexen und Heidentum

Viele Hexen sind in religiöser Hinsicht eng mit dem germanischen, keltischne oder nordischen Heidentum verbunden. Heidentum oder Paganismus (von lat. paganus ‚heidnisch‘; lat. pagus ‚Ort‘) beschreibt unterschiedliche Formen des Glaubens an mehrere Götter oder Naturreligionen. Einige führen das Wort „Heiden“ auf das germanische Wort „haithio“ zurück: es beudeutet soviel wie unbebautes Land oder Waldgegend. „Es deutet also auf eine gewisse Wildheit oder Ungezähmtheit hin“ (hexen.org). Jost Trier hat die „Heide“ als Allmende identifiziert und etymologisch mit heimr ‚Welt, Heimat‘ verbunden. So kommt er zur Bedeutung von „heiðinn“ als „zur eigenen heimischen Kultgemeinde gehörend“ (wiki). Seit dem Mittelalter wurde der Begriff „Heide“ vornehmlich aus der Sicht monotheistischer, missionierender Religionen (Christentum und Islam) häufig abwertend für Religiöse außerhalb der eigenen Tradition gebraucht. In der gewaltsamen Christianisierung und anschließenden Hexenverfolgung ist der Begriff vor allem in den nordischen Kulturen bereits sehr früh als abgrenzende Selbstbezeichnung, als zur eigenen heimischen Kultgemeinde gehörend, nachweisbar. In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Menschen jedoch auf die Religionen ihrer Vorväter zurückbesonnen und sind wieder zum Heidentum zurückgekehrt. Diese Art der Weltanschauung wird auch Neuheidentum oder Neopaganismus genannt. Neuheidentum und Heidentum ist übrigens vom „völkischen Gedankengut“ von (Neo)Nazis zu unterscheiden!
Erfahre mehr: Hexen gegen Nazis

 

Hexen und Naturreligion

Die Erdreligion ist die Älteste dem Menschen bekannte Form der Naturreligion. Schon die Bewohner der steinzeitlichen Steppen und Wälder verehrten die Natur als lebendiges, heiliges Wesen, von dem alles kommt und zu dem alles wieder zurückkehrt. „Zunächst pflegte man noch direkte Beziehungen zum Geist des Windes, der Tiere, der Bäume und vieler anderer Facetten von Mutter Erde und Vater Himmel; spätere Kulturen wie die Ägypter, die Kelten oder auch die nordisch-skandinavischen Gesellschaften verehrten diese Naturelemente dann in Gestalt personifizierter Gottheiten.“ Einige Kulturen auf dieser Erde tun das noch immer und auch innerhalb vieler Wicca-Traditionen spielt die Personifizierung von Naturgeistern eine Rolle. Die meisten Hexen tun dies im Sinne des Animismus. Animismus ist kurz gefasst der Glauben an die Beseeltheit der gesamten Natur. Im Gegensatz zu sog. Hochreligionen wie das Christentum oder der Islam, in denen ihr Gott ausschließlich transzendent ist (d.h. außerhalb dieser Welt: zum Beispiel im Himmel), ist das Göttliche bei Naturreligionen immanent (also in unserer Welt: hier und jetzt in der Natur, die uns umgibt). In animistischen Weltanschauungen existiert der gesamte Kosmos in zwei Formen: einer materiellen Welt und einer geistartigen Welt. Insbesondere im Sinne der Wicca religiöse Hexen glauben, dass jeder Stein, jede Pflanze und jedes Tier von Geiste der großen Mutter beseelt ist (siehe Naturspiritualität).

 

Hexen und die Wicca-Bewegung

Wicca hat seinen Ursprung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist eine Glaubensrichtung des Neuheidentums. Sie wird auch „Alte Religion“ oder „Alter Pfad“ genannt. Wicca sieht sich auch als die „Religion der Hexen“ und die meisten Anhänger bezeichnen sich selbst als Hexen. Es gibt dabei unterschiedliche Wicca-Traditionen innerhalb des Wicca-Kults. Es gibt zahlreiche Parallelen zum feministischen Kult der Großen Göttin – im Wicca sind, entgegen der reinen Göttinnenspiritualität, jedoch eine weibliche Göttin und ein männlicher Gott gleichberechtigte Partner und Repräsentanten einer polaren Natur. Dennoch gilt die Wicca-Bewegung auch als Renaissance der Ur-Religion der Grossen Mutter. Wicca ist eine Einheit aus religiösen Praktiken, Magie und Lebensweisheiten und gilt als undogmatische Religion. Von ihren Anhängerinnen wird lediglich abverlangt, dass sie die Verantwortung für jegliches Handeln selbst übernehmen. Gebote und Verbote wie zum Beispiel im Katholizismus gibt es nicht. Es existieren lediglich Regeln als Richtlinien, die zur Orientierung dienen sowie einige Grundsätze, die laut Kritikern viel Intepretationsspielraum lassen. Einer der überlieferten Wicca-Grundsätze lautet: “Alles was von Dir ausgeht fällt dreifach auf dich zurück.” Ein weiterer unter Hexen weit verbreiteter Grundsatz ist: “Tu was Du willst, solange Du keinem schadet, auch Dir selbst nicht.” Oft zitiert sind die 13 Regeln der Hexenkunst und das Hexen-Credo (Wicca-Rede). Siehe hierzu: Regeln und Richtlinien.
„Wicca versteht sich als eine tolerante Religion und erhebt keinen Anspruch auf Alleingültigkeit. Dogmatismus, Fanatismus und Diskriminierungen anderer Religionen werden abgelehnt. Als egalitäre, freiheitliche, anarchische und ökologische Religion sieht sich Wicca als eine zeitgemäße Alternative für gelebte Spiritualität. Entsprechend dem Verständnis von eigener Verantwortung dient Magie im Wicca-Kult nur dazu, natürliche Energien zu lenken und notwendige Veränderungen zum Positiven anzustoßen. Gewaltfreiheit und Naturverbundenheit haben einen hohen Stellenwert“ (wiki).
Der Wiccakult basiert auf den naturreligiösen Begebenheiten, deren Wurzeln bei den vorchristlichen Europäern (Germanen, Kelten, Römer, Etruskern und Griechen) zu finden sind. Sie sind eine Mischung verschiedener Glaubensrichtungen (hexenweihe.de):

  1. Pantheismus: alles, was uns umgibt – die Menschen, die Natur, die Tiere, die Pflanzen und die Erde – ist göttlich. Alles ist heilig und wird mit Respekt und Würde behandelt. Das Göttliche ist immanent.
  2. Animismus: alle Lebensformen auf unserem Planeten haben eine Seele – Menschen, Tiere und Pflanzen
  3. Polytheismus: wir haben viele Gottheiten, insbesondere Göttinnen. Die Frau, bzw. die Göttin nimmt dabei einen besonderen Status ein. Sie steht mit ihren eigenen Phasen (z.B. Menstruation) mit dem Mond in Verbindung und gebiert neues Leben. Ihr Gefährte, der gehörnte Gott, begleitet sie. Wicca ist eine weiblich orientierte Religion, zu der immer mehr Frauen finden, weil alle anderen Religionen sie fast ausschliessen oder oft auch ganz.

Die Wicca-Religion wurde um 1950 durch Gerald Brousseau Gardner (1884–1964) begründet, der 1954 den Begriff „Wicca“ einführte (allerdings in der Schreibweise wica). „In späteren Jahren waren neben Gardner Vivianne Crowley und Doreen Valiente weitere führende Personen, die zur Entwicklung dieser Glaubensrichtung beitrugen. Valiente verfasste sehr viele der heute als „traditionell“ bekannten Texte (z. B. The Charge of the Goddess und The Wiccan Creed), ebenso überarbeitete sie verschiedene Passagen des Buches der Schatten, welche von Gerald Gardner aus den Werken von Aleister Crowley übernommen wurden. Gardner und Valiente trennten sich wegen Unstimmigkeiten, und Patricia Crowther trat ihre Nachfolge an. Mehr zur Geschichte der Wicca-Bewegung (Wiki).
Die traditionellen Wicca-Anhänger schließen sich üblicherweise einem Konvent oder Coven (englisch für Hexenzirkel) an, einem Arbeits- und Anbetungskreis, die auf den schottischen Hexenglauben zurückgehen soll, aber wahrscheinlich ältere Quellen hat. Die meisten modernen Hexen folgen einer der Wicca-Traditionen und viele Hexen bezeichen sich als Wicca, aber umgekehrt ist nicht jede Hexe automatisch auch ein Anhänger des Wicca-Glaubens. Es gibt viele die der Meinung sind, das Wicca und Hexen unweigerlich zusammen gehören. „Ich sehe das nicht so, ich bin der Meinung das man gute Ergebnisse mit der Energiearbeit auch dann erzielen kann, wenn man einer anderen Religion angehört“ (Hexe Lucia).

Quellen und weiterführende Links:

 

Sind Hexen eine Sekte?

Leider sind immer wieder Menschen der Ansicht, dass das Hexentum eine Sekte sei und vergleichen diese Naturreligion mit Institutionen wie Scientologie. Besonders Eltern beunruhigt dieser Gedanke natürlich sehr intensiv, wenn diese feststellen, dass ihr Kind sich mit dem alten Pfad beschäftigt. Aber weder Wicca noch das Hexentum im Allgemeinen sind eine Sekte.

Im Hexentum gibt es keine „allwissende“ Führer, welchen wir blind in absoluter Treue folgen und ohne unseren gesunden Menschenverstand einzusetzen vertrauen. „Es gibt weder einen Guru noch eine über alles stehende Hohepriesterin, die uns sagt, wo es lang zu gehen hat.“ Niemand schreibt uns vor, woran wir glauben sollen, wie wir unser Leben zu gestalten haben, geschweige denn, wie unsere politischen Ansichten auszusehen haben. Das müssen wir für uns ganz alleine entscheiden. Wir sind freie Menschen, die ihren eigenen individuellen Weg beschreiten.
„Leider gibt es aber auch Menschen, die unter dem Deckmantel unserer Religion das Vertrauen andere Menschen missbrauchen und auf Grund von Macht- sowie Geldgier diese ausnutzen. Ich möchte mich, meinen Glauben und alle wahren Hexen an dieser Stelle von diesen Wesen distanzieren. Wir verachten solche Gestalten und tun unser Bestes andere Menschen vor ihnen zu warnen und zu schützen“ (Jade). Es soll niemand gezwungen werden, gegen die eigenen moralischen Grundsätze verstossen.

Im Übrigen haben Hexen nichts mit dem Satanismus zu tun und feiern auch keine schwarze Messen auf Friedhöfen. Im Hexentum und Wicca-Kult gibt es gar keinen Teufel, den man anbeten könnte. Erfahre mehr: Hexen und der Teufel

Quellen und Links:

 

Sind alle Hexen Heiden?

Viele Heiden und Hexen glauben an einen Gott und eine Göttin, oder nur an eine Göttin bzw. universelle Kraft. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Mensch durch das Hexen-Werden auch Heide werden muss. Man kann auch bei der vorherigen Religion bleiben (sofern man eine hat), sollte aber folgendes berücksichtigen:

  • „Wenn Du einer anderen Religion angehörst, überprüfe auch dort die Stellen in Deiner heiligen Schrift nach Magie, und forsche nach inwiefern Du diese Religion mit Magie vereinbaren kannst. Das ist wichtig, denn gegen die Religion zu handeln wäre kein echter Glaube. Und wenn Du dich als Anhänger dieser oder jener Religion bekennst, solltest Du darauf achten auch nach den Regeln dieser Religion zu handeln.“
  • „Im Internet sind die meisten Rituale und Anregungen z.B. auf Gott und Göttin zugeschneidert. Ändere das auf Gott ab, wenn Du zu einer monotheistischen Religion gehörst“ – ansonsten würdest Du z.B. im Falle des Christentums oder Judentums gegen das 1. Gebot verstoßen (Du sollst keine Götter haben neben mir). „Wenn du dich einer Religion verschreiben willst, dann tu es aus ganzem Herzen und achte ihre Regeln.“ Es gibt übrigens in allen Weltreligionen (auch im Islam) Menschen, die Magie betreiben, und die Schritreligionen gehen auch sehr unterschiedlich – zum Teil leider auch widersprüchlich damit um. Im Alten Testament bzw. in der hebräischen Bibel ist z.B. an einigen Stellen davon die Rede, dass man eine Hexen „nicht leben lassen soll“ (Verfolgung), an anderen suchen Könige und Priester Hexen auf um Rat zu suchen (Leitimation der Hexenkunst).
  • Wenn Du Glaubensinhalte und Praktiken aus verschiedenen Religionen vermischt, solltest Du Dir dessen bewusst sein. Es gibt in der Tat auch eklektischen Hexen, die jedoch bewusst aus allen möglichen Religionen Inhalte nutzen, sich aber im Gegensatz dazu auch nicht zu einer dieser Religionen bekennen, sondern als eklektisch verstehen. Hier spricht man auch von einem Synkretismus, einer Vermischung religiöser Ideen oder Philosophien zu einem neuen System oder Weltbild. Dies muss im übrigen nichts verwerflichen sein. Historisch gesehen sind auch Glaubenselemente zwischen den sog. Weltreligionen verwoben, so haben zum Beispiel Elemente aus der jüdisch-christlichen Tradition (durch den Religionsstifter selbst) den Weg in den Islam gefunden.

Quellen und weiterführender Link: Hexen und Religion in der Rubrik Glaube von Shina Edea

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