meine Entdeckungsreise

Hexen und der Teufel

Seit der Hexenverfolgung hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass Hexen etwas mit dem Teufel zu tun hätten. Dieses Vorurteil ist wie der Teufel selbst eine Erfingung der christlichen Kirche. Die Buhlschaft mit dem Teufel war neben dem Teufelspakt, dem Hexenflug und der Verwandlung in eine Bestie (z.B. Werwolf) sowie der Teilnahme am Teufeltanz oder der Schadenzauber ein zentraler Anklagepunkt in den Hexenprozessen.

Der erste Unsinn an diesen Behauptungen besteht darin, dass Hexen gar nicht an einen Teufel glauben: Der Teufel, mit all seinen Namen und Bezeichnungen gehört nicht zum Hexenglauben. In den alten (Natur-)Religionen kannte man gar keinen Teufel!

Der Teufel ist eine Erfindung „monotheistischer“ Religionen, weil man im Christentum und später auch im Islam einen Gegenspieler für den einen, allmächtigen Gott brauchte. Ansonsten hätte man erklären müssen, warum dieser eine Gott auch all das Schlechte in der Welt zugelassen hat. Er spielt in der christlichen und der islamischen Theologie eine besondere Rolle als Personifizierung des Bösen. (Der hebräische Begriff Satan aus dem Judentum hat übrigens eine entscheidend andere Bedeutung als im biblischen Christentum: „Satan ist vor allem der Ankläger im göttlichen Gerichtshof, der die religiöse Integrität von Menschen testet und Sünden anklagt, wie es beispielsweise aus den biblischen Büchern Ijob und Sacharja bekannt ist. Andere religiöse Glaubenssysteme belegen den Begriff Satan mit Bedeutungen wie Dämon, dem gegen Gott rebellierenden gefallenen Engel, Verkörperung des Bösen und Teufel oder Götzen (= falscher Gott)“ (wiki).

Diese Vorwürfe aus der Zeit der Hexenverfolgung haben auch ihren Einfluß auf alte Märchenerzählungen gefunden und prägen bis heute ein falsches Bild von Hexen: Hexen sind böse, verwandeln Menschen in Kröten und fressen kleine Kinder. Besonders die Anschuldigung, Hexen würden die Ernte der Bauern verdorren lassen, fand schnell im Volksglauben Verbreitung, diente sie doch in den Zeiten karger Winter und Hungersnöten zu Zeiten der Hexenverfolgung als scheinbar plausible Erklärung. Aber warum um alles in der Welt sollten die Anhänger der alten Naturreligionen durch Hexerei oder schwarzer Magie die Ernte oder den Viehbestand ruinieren, wenn sie doch darauf angewiesen waren, sich von der Natur ernähren zu müssen? Das Gegenteil war der Fall!

Die meisten alten Religionen in unseren Breiten hatten wie die Menschen in der Antike ihre Fruchtbarkeitsgötter. Mit Opfergaben und Feste brachten sie ihre Dankbarkeit gegenüber Himmel und Erde zum Ausdruck. Und natürlich auch gegenüber Sonne und Mond. Man beachtete den Zyklus von Wachsen und Gedeihen, stellte Bauernregeln auf, richtete sein eigenes Leben nach den Mond- und Sonnenzyklen aus.

Mit Teufelskult oder Teufelswerk hatte das wahrlich nichts zu tun gehabt! Solche Anschuldigungen waren nur ein praktischer Vorwand seitens Kirche, um mit Feuer und Folter das tief in den Menschen verankerte Wissen alter Zeiten auszurotten und somit im Wettstreit um die Weltendeutung selbst die Vorherrschaft über Schicksal und Gnade zu erlangen. Die Christen wollten eine „Frohe Botschaft“ bringen – und kamen doch meistens nur mit Feuer und Schwert. Sie predigten von der Hölle, um die Menschen von der katholischen Kirche abhängig zu machen (Erlösung von den Sünden nur durch Beichte und Absolution in der katholischen Kirche), und verbrannten in der gewaltsamen Christianisierung Andersgläubige und Freidenker!

Leider ist durch die Verdrängung einheimischer, heidnischer Religionen eine ganze Menge an präzisen und auch mythischen Wissens über den Gebrauch von Pflanzen, die Nutzung von Erdkräften, über uralte Praktiken und Techniken der Bewusstseinserweiterung verloren gegangen. Heute muss dieses alte Wissen von Hexen und alternativen Heilern mühevoll wiederentdeckt werden! Vieles von diesem alten Wissen ist aber wohl für immer verloren gegangen. Und heute haben wir mit den Folgen zu kämpfen, dass wir die Naturgewalten nicht mehr verstehen oder sogar nicht einmal mehr verstehen wollen.

Einst lebten die Menschen im Einklang mit der Natur. Heute ist es ein Gegeneinander. Der Mensch dringt immer mehr in die Bereiche der Natur ein und wundert sich, dass sich übertretene Flüsse oder Sturmfluten ihren angestammten Raum zurückholen wollen. Dabei gibt in unserer heutigen Zeit viele Menschen, die wieder nach diesen alten Werten und den Erfahrungen zurückliegender Generationen suchen. Man verurteilt sie schnell als esoterische Spinner, die Tarotkarten legen oder an Horoskopen glauben. Aber viele sind wirklich wieder auf der Suche nach dem Schatz dieses alten Wissens – dem Wissen um ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur! Man reist in fremde Länder, um Naturheiler und Schamane in Afrika oder Asien oder Amerika aufzusuchen, stets mit dem Reiz, etwas Exotisches anzutreffen. Vielen Menschen ist gar nicht mehr bewusst, dass es auch hier bei uns einmal magische Naturreligionen gegeben hat, bevor das Christentum kam und einen Feldzug gegen die angeblich barbarischen Brauchtümer anführte. Es gab auch in Europa heilige Plätze und Kraftorte. Die Natur wurde damals nicht als totes Objekt, sondern als belebter und belebender Partner des Menschen empfunden – und auch entsprechend respektvoll behandelt!

Aber dieses Wissen der alten Religionen wurde von der mittelalterlichen Kirche verfremdet und als Unglaube, Teufelsanbetung oder sogar als Satanismus verfolgt. Das Wissen der alten Frauen gefährdete die Vorherrschaft der Kirche, Heilung war aus katholischer Sicht nur dem christlichen Gott vorbehalten: Naturheiler und Hexen wurden zu „Gegnerinnen Gottes“ (cameira) erklärt. Hexenverfolgungen und Vorurteile gegen Naturmagier gibt es übrigens auch heute noch. Eine historischer Überblick über die Hexenverfolgung aus der Hexenforschung gibt es für Interessierte auf einem Portal für Geschichtswissenschaften nachzulesen: Hexen und Hexenprozesse.

Noch ein Vorurteilt prägt hartnäckig das falsche Bild von einer Hexe: Viele Menschen glauben bis heute, dass Hexen bei ihren Ritualen Tiere töten. Sie würden aus den Eingeweiden die Zukunft lesen oder das Blut für Voodoo-Zauber und Flüche brauchen. Doch diese Vorstellungen sind Unfug! Hexen respektieren die Natur und leben mit ihr im Einklang. Insbesondere religiöse Hexen glauben, dass jeder Stein, jede Pflanze und jedes Tier von Geiste der großen Mutter beseelt ist. „Wir haben also nicht das Recht ein anderes Lebewesen einfach so zu ermorden. Also würden wir auch nie einfach ein Tier töten!“ (Lena). Stattdessen verehren Hexen und Hexenmeister die Naturgeister und bringen zum Dank in Ritualen Opfer meistens in Form von Wein oder Räucherungen aus Kräutern oder Harzen. Hexen töten keine Tiere, auch treu nach der Hexenrede: „Tu, was du willst, solange es niemandem schadet!“

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