meine Entdeckungsreise

Hexen gegen Nazis

Hexen sind in religiöser Hinsicht eng mit dem germanischen, keltischne oder nordischen Heidentum verbunden. Heidentum oder Paganismus (von lat. paganus ‚heidnisch‘; lat. pagus ‚Ort‘) beschreibt unterschiedliche Formen des Glaubens an mehrere Götter oder Naturreligionen. Einige führen das Wort „Heiden“ auf das germanische Wort „haithio“ zurück: es beudeutet soviel wie unbebautes Land oder Waldgegend. „Es deutet also auf eine gewisse Wildheit oder Ungezähmtheit hin“ (hexen.org). Jost Trier hat die „Heide“ als Allmende identifiziert und etymologisch mit heimr ‚Welt, Heimat‘ verbunden. So kommt er zur Bedeutung von „heiðinn“ als „zur eigenen heimischen Kultgemeinde gehörend“ (wiki). Seit dem Mittelalter wurde der Begriff „Heide“ vornehmlich aus der Sicht monotheistischer, missionierender Religionen (Christentum und Islam) häufig abwertend für Religiöse außerhalb der eigenen Tradition gebraucht. In der gewaltsamen Christianisierung und anschließenden Hexenverfolgung ist der Begriff vor allem in den nordischen Kulturen bereits sehr früh als abgrenzende Selbstbezeichnung, als zur eigenen heimischen Kultgemeinde gehörend, nachweisbar. In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Menschen jedoch auf die Religionen ihrer Vorväter zurückbesonnen und sind wieder zum Heidentum zurückgekehrt. Diese Art der Weltanschauung wird auch Neuheidentum oder Neopaganismus genannt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden aus politischen und ideologischen Gründen historischer Tatsachen über das Germanentum verfälscht und falsch Bilder über die Germanen geschaffen, insbesondere um die Irrlehren über die NS-Rassenkunde zu stützen und den Irrglauben an ein unbesiegbares deutsches Militär zu schüren. Die Folge ist, dass auch noch Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg heidnischer Symbole, Feste und Plätze durch Rechtsextremisten und rechtsgesinnte Gruppen für ihre Zwecke missbraucht werden. Viele Neuheiden – Hexen, Wiccas, Asatruar usw. – distanzieren sich zwar von Rassisten, Nazis und “Völkischen”, bezeichneten sich selbst aber als “unpolitisch”. „Das reicht nicht aus! Es ist falsch, zwar “kein Nazi” zu sein, aber aus falscher Toleranz die Rechtsextremen gewähren zu lassen – denn das stärkt die Position der Rechtsextremen. Schon allein weil germanische und keltische Symbole, Plätze und Feste für den Transport der völkisch-rassistischen Ideologie missbraucht werden, bleibt modernen Heiden, denen Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte, Sozialstaat und Demokratie etwas wert sind, nicht anderes übrig als Farbe zu bekennen“ (Martin; Nornirs Ætt).

Daher stellen Vertreter des Neuheidentums unmissverständlich klar: Wir teilen eine humanistische Weltanschauung. Für uns ist jeder Mensch gleich, egal welcher Nationalität oder Religion er auch angehört. Wir verurteilen Gewalt und den Missbrauch des Heidentums für rechtsextreme Fremdzwecke. Toleranz, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit gelten als wichtige humanistische Prinzipien menschlichen Zusammenlebens. Toleranz gegen Extremisten ist dagegen eine falsch verstandene Toleranz.

Seit September 2009 gibt es die Kampagne „Heidentum ist kein Faschismus – Heiden für Menschenrechte„. Die Initiatoren hatten es satt, dass Rechtsextreme das Heidentum missbrauchen und klären auf. Im Netz-gegen-Nazis.de erklärt Marco die Initiative: Heiden setzen sich gegen den Missbrauch von Sonnwendfeiern und Symbolen durch Nazis ein.

Martin von Nornirs Ætt nennt zwei gute Gründe für Initiativen wie “Heidentum ist kein Faschismus”:

Der erste ist, dass die Nazis (und andere Rechtsextremisten, die ähnlich denken und handeln, auch wenn sie nichts mit der NPD, den “freien Kameradschaften” oder anderen NS-Nostalgikern am Hut haben) erneut erstarken, und zwar nicht von ungefähr: Undemokratische “Rezepte” haben auch bei (theoretisch) demokratischen Politikern Konjunktur.

Der zweite Grund ist, dass die Übergriffe durch Antifaschisten auf Anhänger heidnischer Religionen oder auch nur Trägern heidnischer Symbole zunahmen. Meistens aus Unkenntnis, manchmal leider auch aus schlechter Erfahrung mit vorgeblich “unpoltischen”, aber rechtsoffenen Heiden. Nicht jede Triskele oder jeder Thorshammer weist auf einen Nazi hin!

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